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The Goohhhdbye Convo with Frederik Blümel

The Goohhhdbye Convo with Frederik Blümel

German version Below

An email reaches us on a Wednesday at noon, sent by our Head of Finance and Administration Frederik Blümel, Freddi. I unerringly skip the text and click hastily and curiously to the attached pictures. Freddi in different group constellations with members of the organization, in different places: In the soccer stadium with Roman, Daniel, Marlon and Freddi's little brother, Freddi at his desk with doughnuts ("Watch me giving my very best for some complicated financial issue") and finally in a garbage can, grinning joyfully, visibly proud of his solution to the complicated financial issue. A retrospective, clearly, the reason can also be seen in the subject line. "Farewell" it says.

After three and a half years, that's 42 months and 1293 days, as he calculates in financial manner, he leaves us to dedicate himself to his master studies in Switzerland. He thanked the organization in an exemplary manner for the great time, introduced his successors Lukas and Theresa full of praise and optimism, and yet it was clear that saying goodbye was not that easy.  

Many personal and professional moments came together at ohhh!, as we can see from the photos and the text. Of course, there is not enough space in an email to go into detail, so our Head of People and Culture, Sarah, and Freddi got on the phone again, talked about Freddi's time at ohhh! and Youth Against AIDS, why finance is sexy and reminisced together. The result is a personal and insightful conversation - which will certainly not be the last.

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Eine Email erreicht uns an einem Mittwoch Mittag, versendet von unserem Head of Finance and Administration Frederik Blümel, Freddi. Den Text überspringe ich zielsicher und klicke vorschnell-neugierig zu den angehängten Bildern. Freddi in unterschiedlichsten Gruppenkonstellationen mit Mitgliedern der Organisation, an unterschiedlichsten Orten: Im Fußballstadion mit Roman, Daniel, Marlon und Freddis kleinem Bruder, Freddi am Schreibtisch mit Krapfen (“Watch me giving my very best for some complicated financial issue”) und zuletzt in einer Mülltonne, freudig grinsend, sichtlich stolz auf seine Lösung des complicated financial issues. Ein Rückblick, eindeutig, den Grund kann man auch der Betreffzeile entnehmen. “Farewell” steht da.  

Nach dreieinhalb Jahren, das sind 42 Monate und 1293 Tage, wie er uns in Finanzmanier vorrechnet, verlässt er uns, um sich seinem Master Studium in der Schweiz zu widmen. Vorbildlich bedankt er sich bei der Organisation für die tolle Zeit, stellt uns voller Lob und Optimismus seine Nachfolger:innen Lukas und Theresa vor und dennoch merkt man, dass der Abschied nicht unbedingt leicht fällt.  

Viele persönliche und berufliche Momente liefen bei ohhh! zusammen, wie wir den Fotos und dem Text entnehmen kann. In einer Email ist natürlich viel zu wenig Platz, um darauf genauer einzugehen, deswegen haben sich unser Head of People and Culture Sarah und Freddi noch einmal zusammentelefoniert, sprechen über Freddis Zeit bei ohhh! und Jugend gegen AIDS, warum Finance sexy ist und schwelgen gemeinsam in Erinnerung. Herausgekommen ist ein persönliches und aufschlussreiches Gespräch - das mit Sicherheit nicht das letzte Gewesen sein wird.

The Goohhhdbye Convo

geführt mit einem lachenden und einem weinenden Auge (Ninjas Cutting Onions somewhere).  

Hey Freddi, ich muss sagen, ich sitze hier in diesem Gespräch mit auf der einen Seite sehr viel Dankbarkeit für die vergangenen Jahre der Zusammenarbeit, dann mit ganz vielen Erwartungen an das, was sich auch für dich nun ergibt und ein wenig Wehmut.  

Mit welchem Gefühl bist du heute hier und blickst auf die vergangenen Jahre, aber auch die Kommenden?  

Mit welchem Gefühl blicke ich auf die vergangene Jahre... Zunächst habe ich gemerkt – der Moment, in dem man sich bewusst macht “das findet jetzt hier ein Ende” - das ist ein ganz emotionaler. Immerhin hab ich bis vor zwei Wochen noch ganz tief in der Arbeit gesteckt. Und auf einmal verschiebt sich der Fokus, weil ich nicht mehr inhaltlich meiner Arbeit nachgegangen bin, sondern der Job war meine Nachfolger:Innen einzuarbeiten und Themen zu übergeben. Da habe ich richtig gemerkt, wie schnell man einen anderen Blick auf die gewohnten Tasks bekommt, was tatsächlich ganz spannend war. Aufgaben, die mich sonst schnell mal genervt haben, die wurden dann auf einmal zu welchen, wo du denkst “woah, das werde ich schon ganz schön vermissen”.  

Dadurch konnte ich noch einmal feststellen, wie viel bei meiner Tätigkeit dabei gewesen ist, das mir verdammt viel Spaß gemacht hat. Ich habe viel lernen können, mich eingebracht und da ist es mir verdammt schwer gefallen, mich von zu lösen. Da steckt meine ganze Arbeit, meine ganze Energie - und das bekommt jetzt jemand anderes. Und vielleicht, und das ist ja der Kniff bei der Sache, vielleicht schaut er sich das an und denkt sich "Da ist echt Optimierungsbedarf". Ich meine, das ist vollkommen berechtigt, tut aber dennoch ein bisschen weh.  

Und wenn ich mal jetzt den Blick in die Organisation richte, ist da ein ganz ähnliches Bild.  
Wie viele andere habe ich mich all die Jahre aktiv für das Engagement entschieden – obwohl ich auch vieles andere hätte tun können, das mir gegebenenfalls weniger Stress bereitet hätte.
Und trotzdem habe ich das hier gemacht und das stets sehr gerne. Und dementsprechend bricht da etwas weg, das mich lange sehr beschäftigt und mir auch viel bedeutet hat. Doch auch wenn ich traurig bin, dieses Kapitel zu schließen, freue ich mich so im Guten zu gehen und auf das was kommt – und mir hoffentlich genau so viel Freude bereiten wird, wie meine Zeit in der Organisaiton.

Jetzt blickst bei uns auf eine recht lange Zeit zurück. Auch innerhalb der Organisation hast du verschiedene Positionen eingenommen: Als ich angefangen habe, warst du noch Lead und bist dann Head of geworden, als ich Lead geworden bin. Wie glaubst du, hat sich deine Rolle verändert in all den Jahren und wie bist du mit ihr zusammen gewachsen?  

Das ist eine ganz spannende Frage. Als ich angefangen habe, da wusste ich noch gar nicht bzw. habe ich noch gar nicht richtig begriffen, was hier eigentlich von mir verlangt wird. Ich bin hier reingegangen und habe gedacht, im Finanzbereich ist etwas frei und ich mache meine Aufgaben – die und nichts anderes.  
Damals habe ich gar nicht überlegt, wie ich Bereiche eigentlich weiterentwickeln kann - was vielleicht auch ganz logische Konsequenz ist, wenn man länger dabei ist und Bereitschaft zeigt, sich in intensiverer Form zu engagieren. Verstanden habe ich es tatsächlich erst, als ich bereits inmitten meines eigenen Entwicklungsprozesses war- über die Lead und später die Head of Position. Zu verstehen was es überhaupt heißt ein Leader zu sein: Dass man sich in irgendeiner Form einen eigenen Plan macht, eine Agenda formuliert, sich selbst Ziele setzt und in diesem Rahmen ein Team in die gemeinsame Richtung aufbaut, motiviert und mitnimmt. Mit Verständnis über diese Rolle ging auch ein anderes Selbstverständnis einher: während es mir am Anfang schwer gefallen ist mich in unseren Führungsgremien zu positionieren, Dinge aus meinem Bereich heraus einzuordnen und Einschätzungen zu geben, ist es jetzt etwas ganz natürliches für mich. Ich bin gefestigt in meiner Rolle und habe eine ganz klare Sicht auf Themen in der Organisation sowie den Part, den ich dabei spiele - ich glaube, das beschreibt so ganz gut meinen Werdegang und dann auch mein Rollenverständnis innerhalb von ohhh!.  

Vielen Dank! Um nochmal auf einen Aspekt einzugehen, den du gerade schon genannt hast: Was hat dich denn all die Jahre angetrieben, einen viellecht für viele doch trockenen Bereich mit Leidenschaft und immer auch sehr viel Herzblut aufzubauen?

Ja, auch das ist eine spannende Frage. Bei uns gibt es viele Bereiche, bei denen du direkt siehst, was deine Arbeit eigentlich bewirkt. Im Finanzbereich hingegen ist manchmal nicht so klar ersichtlich, wie unsere Aktivitäten damit zusammenhängen, dass wir z.B. tausende Kondome verteilen oder wie viele Leute sich dadurch schützen. Dass wir aber genau so daran beteiligt sind, muss man sich bewusst vor Augen führen. Was mich daneben dann aber auch jeden Tag angetrieben hat, ist, dass ich den Finanzbereich einfach richtig gerne habe. Du weißt es selbst, wie sehr ich zahlenaffin und auch strukturaffin bin - das liegt mir einfach.
Außerdem hatte ich das Gefühl, dass der Organisation eine gewisse Struktur zu mehr Erfolg verhelfen kann. Das war für mich etwas ganz Positives: mitzubekommen, dass ich als Charakter nicht nur in meinem Bereich einen Beitrag leisten, sondern auch als Charakter einen Wert für die Gesamtorgansiation schaffen kann.  

Auf der anderen Seite war unsere Team Dynamik für mich immer ein Antrieb und das großartige Engagement der anderen Mitgleider. Das reißt dich einfach mit. Als ich frisch dabei war, war ich nach meinen ersten Events wirklich beeindruckt, beinahe ehrfürchtig zu sehen, was Leute bei uns rocken. Bis ich verstanden habe, dass da ganz viel Arbeit hinter steckt und ein Team, das sich aufeinander verlassen kann.  

Außerdem, seien wir mal ehrlich, etwas für einen guten Zweck zu tun, das ist nie schlecht. Und ehrlicherweise, da liegt mir auch schon was dran. (lacht)

Jetzt auch mit Blick auf die letzten Jahre: Worauf bist du denn ganz besonders stolz am Ende der Zeit? Und was ist für dich dein Erbe, das du uns hinterlässt; was ist dein Stempel, den du uns aufgedrückt hast?

Als ich angefangen habe, gab es den Finanzbereich de facto nicht; von meinem, Vorgänger habe ich nicht viel übertragen bekommen. Wenn ich heute gehe, dann weiß ich, dass meine Nachfolger:innen auf eine solide Struktur zurückgreifen und auch aufbauen können. Wenn ich jetzt gehe, wird es nicht viele Gründe geben, mich noch einmal anzurufen – was ich beinahe schade finde. Die Substanz, die ich auf gebaut habe – das ist etwas worauf ich stolz bin und auf das ich gerne zurückblicke.

Wenn ich unser Führungsteam anschaue, denke ich, dass ich auch hier etwas hinterlassen kann: wie wir zusammenarbeiten, sind wir die unterschiedlichsten Charaktere. So beeinflusst man sich in so einer engen Zusammenarbeit immer gegenseitig und bringt sich Eigenschaften bei, die bei einem selbst nicht so stark ausgeprägt sind. Und so wie der Kreis das mit mir gemacht habt, glaube und hoffe ich zumindest ganz stark, dass auch ich das ein stückweit mit ihm getan habe.

Was wirst du am meisten vermissen, wenn dann erst einmal dein Account deaktiviert ist?  

Was werde ich am meisten vermissen? Das ist wirklich eine schwierige Frage - vielleicht ist aber auch genau das die Antwort. Die Arbeit, die ich gemacht habe, war durchaus divers. Stetig musst du dich darauf einlassen, Aufgaben anzupacken, mit denen du nicht vertraut bist und dich in ganz neue Themenfelder eindenken und einarbeiten. Und auch wenn das manchmal frustrierend sein kann und herausfordern ist: zu sehen, dass etwas am Ende funktioniert und man das meiste aus einer Situation herausgeholt hat – das ist etwas, das ich definitiv vermissen werde.  

Aber die Antwort, die kann ich dir tatsächlich nicht in einem Satz geben: Alles in allem ist es für mich vermutlich das Gefühl, Dinge gemeinsam durchzuziehen. Auch wenn Tage manchmal lang sind, entsteht dabei ein Momentun – in dem man gemeinsam die Zähne zusammenbeißt und so am Ende Berge bewegt. Und das ist etwas, das macht verdammt viel Spaß und wird mir wirklich fehlen.

Vielen, vielen Dank. Okay, letzte Frage: Wenn du dir vorstellen würdest, dass ohhh! jetzt ein Mensch wäre, wie würdest du dich von der Organisation verabschieden? Was wäre deine letzte Worte an die Person?  

Crazy. Das ist eine richtig krasse Frage. Ja okay, wie würde ich mich verabschieden? Was wären meine letzten Worte?  

Da kann ich dir eine Antwort geben. Es gäbe keine letzten Worte. Auch wenn ich jetzt etwas anderes mache, heißt es nicht, dass ich den Werdegang der Organisation nicht verfolgen werde. All das bleibt bei mir in bester Erinnerung und dementsprechend gibt es da, glaube ich, kein ganz finales Tschüss und Lebe wohl. Der Kontakt wird gewiss nicht so intensiv bleiben, aber über kurz oder lang werde ich, werden wir, in irgendeiner Form nochmal zusammenfinden.  

Deshalb ist meine Antwort: Ich würde der Person nicht sagen, “Das sind meine letzten Worte”, sondern ich würde sagen: "Bis gleich".

Freddi, es war uns ein Fest. Bis später, bis irgendwann, bis gleich!